Facebook
  • Campus
„Sciences Po“ bedeutet nicht gleich „Sciences Politiques“
Was man aus seinem Sciences Po-Diplom so alles machen kann.

 

Der Parvenu: Du warst selbst einmal am Sciences Po Campus in Nancy Student. Wie erinnerst du dich an deine Zeit?

Luca: Sehr positiv. Ich habe mein Studium direkt nach meinem ‚Bac‘ begonnen. Damals hatte vor danach in die Politik zu gehen. Schon im Laufe des ersten Jahres habe ich allmählich bemerkt, dass das nichts für mich ist. Was ich in den zwei Jahren vor allem mitgenommen habe, ist die Art und Weise zu präsentieren, strukturiert zu arbeiten, flexibel zu sein und ich mich zu organisieren. Die Idee mein eigenes Unternehmen zu gründen, ist mir tatsächlich auch schon in Nancy gekommen.

Der Parvenu: Könntest du das ein bisschen näher erklären?

Luca: Wie gesagt, die politischen Fächer haben mich nach einer Zeit nicht mehr sehr gereizt. Das Gute war, dass ich während dem Studium viel Zeit für andere Projekte hatte. Ich bin dann zufälligerweise aufgrund eines Flyers auf eine Unternehmens-Messe aufmerksam geworden. Dort ist mir dann die Idee gekommen, dass das etwas sein könnte, was mich in meinem Berufsleben interessieren könnte. Nancy war für mich also durchaus eine Zeit, in der meine Zukunft für mich mehr Form angenommen hat.

Der Parvenu: Und wohin hat es dich nach den zwei Jahren in Nancy für dein 3A und deinen Master gezogen?

Luca: Ich war an der in der Nähe von Koblenz, an einer Universität, die auf Management und Kommerz spezialisiert ist . Danach bin ich nach Paris gegangen und habe an Sciences Po einen Master in Marketing gemacht. Nach meinem Abschluss wollte ich wieder ins Ausland und Arbeitserfahrung sammeln. Ich wollte vor allem eine weitere Sprache lernen. Dann habe ich begonnen in Barcelona bei einem Start-up zu arbeiten. Luca Fancello hat von 2009 bis 2011 am Sciences Po Paris Campus in Nancy studiert. Aktuell baut er sein Startup “Brewnation” auf, welches auf den Vertrieb von Feinkost-Bier spezialisiert ist. Junge Studierte wagen immer häufiger den Schritt, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Trotzdem sind sie in der Unterzahl, verglichen zu jenen, die eine fixe Anstellung in einem bereits etablierten Unternehmen annehmen. In einem Interview mit dem Parvenu berichtet Luca von seiner Zeit als Student an Sciences Po und von seinem Werdegang, der ihn zu seiner heutigen Beschäftigung geführt hat.

Der Parvenu: Und wie ist es danach zur Gründung von „Brewnation“ gekommen?

Luca: Während der letzten Monate meiner Arbeit bei besagtem Startup, hat mich ein Kollege angesprochen. Wir haben daraufhin zusammen das Projekt ins Leben gerufen. „Brewnation“ existiert jetzt seit Anfang 2017 und seitdem bin ich vollzeit damit beschäftigt. Momentan befinden wir uns in einer großen Transformationsphase. Das bedeutet wir müssen Finanzierungen erhalten, Kunden und Hersteller anwerben und uns ein Kontaktnetz aufbauen.

Der Parvenu: Kennst du viele Sciences Po-Abgänger, die den Schritt gewagt haben und ihr eigenes Startup aus dem Boden gestampft haben? Was ist allgemein deine Meinung von dem Gewerbe?

Luca: Aus meinem Jahrgang aus Nancy kenne ich nur einen. Aus meinem Masterstudium sind es circa sechs oder sieben, also gut 10%. Die Arbeit ist mit einem großen Risiko verbunden und ich kann bezeugen, dass es seit der Gründung eine einzige Achterbahnfahrt war. Man kann schwer voraussagen, wie sich das Projekt als nächstes entwickeln wird. Ich persönlich finde es wahnsinnig spannend und bereichernd.

Der Parvenu: Hast du einen Rat, den du aktuellen Bachelor-Studentinnen und Studenten mitgeben könntest?

Luca: Was ich aufgrund meiner Erfahrung sagen kann, ist, dass man sich nicht zu viel Stress hinsichtlich der Zukunft machen sollte. Wenn man tut, was einen interessiert und darauf hinarbeitet, dann wird man später seinen Platz finden. Es ist normal sich in den ersten Jahren des Studiums nicht gleich selbst zu finden oder Schwierigkeiten zu haben. Ich würde heute nichts anders machen.

 

Gabrielle Hoarau ist Studentin des deutsch-französischen Campus von Sciences Po Paris in Nancy. Aktuell absolviert sie das letzte Jahr ihres Bachelor-Diploms in Neuseeland, an der Universität von Auckland. Das Besondere daran: Gabrielle hat sich dazu entschlossen ihr „3A“ nicht nur in einem außergewöhnlichen Land zu verbringen, sondern dieses auch einer für Sciences Po sehr ungewöhnlichen Disziplin zu widmen: den Naturwissenschaften.

Der Parvenu: Könntest du kurz beschreiben, was du momentan genau studierst?

Gabrielle: Zum einen belege ich hier Kurse in Naturwissenschaften. Letztes Semester hatte ich zum Beispiel Seminare in Astronomie, Geologie und Biologie. Auf der anderen Seite habe ich Unterricht in einem Fach, das sich „Pacific Studies“ nennt. Darauf habe ich mich auch dieses Semester zunehmend spezialisiert. Darin widmen wir uns vor allem dem Studium der Kultur der Maori. Das ist ein indigenes Volk hier in Neuseeland.

Der Parvenu: Diese Wahl wirkt eher untypisch für Studierende der Politikwissenschaften. Wieso hast du dich dafür entschieden?

Gabrielle: Schon vor Sciences Po war ich unsicher, ob ich wirklich Politikwissenschaften studieren sollte. Die Themen haben mich interessiert, aber es schien mir nicht konkret genug. In meinem ersten Jahr in Nancy, habe ich dann das Doppeldiplom mit der Jurafakultät begonnen, in der Hoffnung so konkrete Kompetenzen, zusätzlich zu dem breitgefächerten Politikstudium, zu bekommen. Ich habe schnell gemerkt, dass es nicht das Recht war, das mir gefehlt hat. Das Diplom habe ich also nach dem ersten Jahr abgebrochen. Auf der anderen Seite haben mich Naturwissenschaften schon immer gereizt. Nach langem Überlegen habe ich mich dann einfach getraut und mich für Neuseeland und die Naturwissenschaften entschieden. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können.

Der Parvenu: Inwiefern würdest du sagen, dass dein jetziges Studium sich von dem in Nancy unterscheidet?

Gabrielle: Die Universität ist um einiges größer [30000 Studierende]. Die Gruppen sind schon alleine deshalb viel heterogener. Viele studieren verschiedene Fächer und die Kurse können freier gewählt werden. Das ist ein riesiger Unterschied verglichen zu Nancy. Man ist aus diesem Grund allerdings auch anonymer. Auf der anderen Seite ist der akademische Ansatz ein ganz anderer. Ich arbeite hier sehr methodisch und wissenschaftlich. Die Professoren sind toll, die meisten von ihnen stehen mitten im Berufsleben und haben sehr praktische Herangehensweisen. Ich hatte noch nie das Gefühl so viel Konkretes zu lernen, wie aktuell. Das ist sehr bereichernd.

Der Parvenu: Viele Studierende unseres Campus machen sich Sorgen in Nancy nicht genug Handfestes zu lernen. Was hast du aus deiner Zeit hier in Nancy mitgenommen?

Gabrielle: Wie gesagt, auch ich wollte unbedingt konkretes Wissen erlernen. Der zweijährige Kurs in Nancy ist multidisziplinär, was es oft schwer macht in die Tiefe der Materie zu gehen und sich den Stoff wirklich auf lange Sicht einzuprägen. Ich bin allerdings unendlich dankbar für meine Zeit in Nancy. Ich habe in Sciences Po vor allem gelernt strukturiert und synthetisch zu arbeiten. Die häufigen Präsentationen helfen enorm, sich gezielt auszudrücken und organisiert zu arbeiten. Diese Arbeitseinstellung hilft mir jetzt sehr sowie bestimmt später auch.

Der Parvenu: Und wie wird es für dich nach deinem „3A“ weitergehen?

Gabrielle: Ich werde wieder zu Sciences Po zurückzukehren und mich im Master auf Umweltpolitik spezialisieren. Ich will versuchen einen Platz in einem Doppeldiplom mit der Ingenieurfakultät SUPAERO zu bekommen. Dafür kann ich mich im ersten Jahr des Master-Diploms bewerben. Mein ‘3A’ hat mir gezeigt, wie wichtig mir persönlich das Konkrete, Wissenschaftliche ist. Das möchte ich auf keinen Fall mehr missen. Auf der anderen Seite sehe ich der Zukunft mittlerweile entspannt entgegen. Die letzten acht Monate haben mir bewiesen, dass man in allem gut ist, wenn man es gerne und mit Begeisterung macht. Natürlich war es schwierig von einem breitgefächerten Studium der Sozialwissenschaften, auf präzise, naturwissenschaftliche Kurse zu wechseln. Aber ich habe es gut geschafft. Diese Einstellung werde ich auf jeden Fall mit in meine Zukunft nehmen.

Der Parvenu: Hast du abschließend eine Rat, den du den jetzigen Studierenden mitgeben könntest?

Gabrielle: Ja! Stresst euch nicht zu viel. Vor allem nicht die Wahl eurer Destination im dritten Jahr betreffend. Sucht euch eine Universität und ein Land aus, die euch faszinieren und begeistern; von denen ihr träumt! Das ist die optimale Gelegenheit etwas komplett Neues zu erfahren und zu lernen. Mich hat dieses Jahr sehr verändert. Allgemein kann man sein Leben nicht exakt vorausplanen. Man muss das tun, was einen glücklich macht und das einen begeistert. Dann wird man es auch gut machen. Profitiert so gut es geht und nehmt so viel wie möglich aus den drei Jahren mit.

 

Propos recueillis par Cosima Sagmeister